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Psychische Folgen eines Arbeitsunfalles müssen anerkannt werden

Autor:
Stephanie Hujo

Das Bundessozialgericht hat im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung eine wichtige Entscheidung getroffen: Es hat klargestellt, daß auch psychische oder psychosomatische, oder mit anderen Worten, überempfindliche Reaktionen auf einen Arbeitsunfall, von der Berufsgenossenschaft als Unfallfolge anerkannt werden müssen (Urteil vom 9.5.2006). Dies war im Prinzip auch vorher schon der Fall, wurde aber insbesondere von Gutachtern oft falsch gesehen. Im Gegensatz zum Zivilrecht wird im Sozialrecht nämlich jeder Versicherte in seiner individuellen Situation und seiner speziellen Persönlichkeitsstruktur geschützt, es wird nicht auf einen durchschnittlich veranlagten und belastbaren Menschen abgestellt. Damit ist dem Argument von ärztlichen Sachverständigen, ein bestimmtes Unfallereignis sei nicht geeignet, eine so "übertriebene" Reaktion hervorzurufen, der Versicherte sei ein bißchen "überempfindlich", die Grundlage entzogen. Dem obengenannten Urteil lag ein Sachverhalt zugrunde, wo ein Versicherter nach einer Distorsion der Halswirbelsäule unter einer depressiven Anpassungstörung litt – die Berufsgenossenschaft hatte freiwillig zunächst nur für 10 Monate Verletztengeld gezahlt, die Sozialgerichte hatten sie zur Zahlung von weiteren 1 ¾ Jahren verurteilt.

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